Über 47.000 Menschen hat es am Donnerstag in die deutschen Kinos getrieben, um sich den Film »Embrace – Du bist schön« anzusehen. In etwa 180 Kinos gab es die Möglichkeit, sich um 20 Uhr auf die Botschaft einzulassen: »Du bist schön so wie du bist.«

Der Dokumentarfilm von Taryn Brumfitt und Nora Tschirner beschäftigt sich mit dem gefährlichen Schönheitswahn in unserer Gesellschaft. Taryn selbst habe ihren Körper gehasst. Mithilfe eines Personal Trainers trainierte sie so lange, bis sie sich gemeinsam mit anderen Bodybuildern auf der Bühne präsentieren konnte. Doch glücklich war sie dabei nicht. Nach ihren Schwangerschaften fühlte sie sich so unwohl in ihrer eigenen Haut, dass sie schon einen konkreten Termin für eine Schönheits-OP hatte. Doch diesen konnte und wollte sie nicht mehr wahrnehmen. Denn: Was wäre sie für ein Vorbild für ihre Tochter, wenn sie sich selbst nicht annehmen kann, wie sie ist? Wie solle das dann ihre Tochter schaffen?

Als Taryn im Freundeskreis merkte, wie sehr das Thema Bodyshaming für jeden einzelnen eine Rolle spielt, postete sie ein Vorher-Nachher-Bild auf Facebook. Kein typisches, wie man es normalerweise kennt. Das Vorher-Bild zeigte sie im Bikini mit dem scheinbar »perfekten« Körper, das Nachher-Bild in einem wohlgenährten Körper. Innerhalb kurzer Zeit war das Bild auf der ganzen Welt Millionen Mal geteilt worden. Dadurch entstand ihre Idee für den Film »Embrace« und sie machte sich auf eine Reise, um sich dem Thema zu nähern und mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

In dem Film trifft sie auf verschiedene Menschen und deren persönliche Geschichten – zum Beispiel auf eine Frau, der bei einem Brand über 60% ihrer Haut verbrannt sind. Es wird auch eine Magersüchtige gezeigt, die unter Tränen von ihrem Verhältnis zum Essen erzählt und allen Menschen rät: »Bitte hört niemals auf zu essen.« Eine Frau, der durch eine Krankheit ein Bart wächst, berichtet davon, wie sie sich das Leben nehmen wollte. Doch all ihre negative Energie hat sie dann zusammengenommen, um sich dem Kampf zu stellen, sich selbst so anzunehmen, wie sie ist.

Jede der Geschichten war sehr berührend. Für einen allgemeinen Lacher sorgte eine Szene, bei der Taryn zu einem Schönheitschirurgen gegangen ist, um zu erfahren, was er an ihr ändern würde, und in der dieser unter anderem sagte: »Das Fett hier können wir wegnehmen und etwas davon in die Lippen spritzen, denn die eine Hälfte ist etwas kleiner als die andere.« Wie lächerlich.
Doch dabei ist ja auch die Frage, ob er das nicht nur gesagt hat, weil es schließlich sein Beruf ist, damit Geld zu machen. Ich denke keinem anderen fällt so etwas auf und erst recht würde es niemanden stören. Hoffe ich.

Generell hat mir die Message des Filmes sehr gut gefallen und es ist ein gutes Projekt, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie falsch und gefährlich die heutigen Schönheitsideale sind. Ein Kritikpunkt, den ich jetzt schon häufiger gelesen habe war, dass besonders der Bezug auf Essstörungen nicht richtig verdeutlicht wurde. Denn dabei geht es nicht nur um den Kampf gegen den eigenen Körper, sondern es hat immer noch tiefere Gründe.
Aber um das Thema sollte es in dem Film auch denke ich gar nicht gehen. Der Fokus lag eher auf der Allgemeinheit der Menschen und wie die Medien dazu führen, dass man sich in seinem Körper unwohl fühlt.

In diesem Zusammenhang finde ich diese drei Aussagen sehr wichtig, die auch in dem Facebook Live-Video am Tag danach noch einmal hervorgehoben wurden:
1. Es sollte kein Körper von den Laufstegen verbannt werden. Es sollte eine Vielfalt geben, damit sich jeder Mensch irgendwo wiederfinden und angenommen fühlen kann.
2. Gesundheit ist nicht nur physisch zu beurteilen, sondern auch emotional und seelisch. Deshalb kann man nicht allein beim Anblick eines Körpers darüber urteilen, ob der Mensch gesund ist und ob es ihm gut geht.
3. Der Film soll dazu anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und den Entschluss zu fassen, daran zu arbeiten, sich selbst zu akzeptieren.

Denn: Jeder Mensch ist schön so wie er ist und es sind vor allem die inneren Werte, die zählen.

Filmreview: Embrace – Du bist schön
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4 Gedanken zu „Filmreview: Embrace – Du bist schön

  • 16. Mai 2017 bei 13:41
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    Danke für den interessanten Bericht. Ich hatte mir den Film auch ansehen wollen, aber in BI wurde er leider nicht gezeigt. Beleuchtet der Film auch die männliche Seite des Themas?

    Statt „sich selbst akzeptieren“, würde ich eher sagen „sich selbst annehmen“ – auch wenn das natürlich genau genommen nur eine Übersetzung ist. Einige würden wohl auch sagen „sich selbst wertschätzen“.

    Deine Schlussfolgerungen unterstütze ich zu 100%.

    Antwort
    • 16. Mai 2017 bei 13:52
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      Der lief hier eigentlich in beiden Kinos, aber halt nur an dem einen Tag.
      Und nein, die männliche Seite wurde gar nicht beleuchtet. Das hat Spiegel Online auch sehr stark kritisiert. Es wurde nur erwähnt, dass das Thema auch immer mehr Männer betrifft und in dem Facebook Video dann als Erklärung, warum es in dem Film nicht vorkommt, dass es trotzdem immer noch viel mehr Frauen nur betrifft.
      Ja, vielleicht ist sich annehmen in dem Zusammenhang ein besseres Wort. In meinem Verständnis muss man sich aber erst akzeptieren, um sich annehmen zu können, daher die Wortwahl.

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      • 16. Mai 2017 bei 16:57
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        Und noch davor muss man sich selbst erkennen. „Erkenne dich selbst!“ – die Inschrift am Tempel von Delphi, beschreibt eine lebenslange Herausforderung.

        Antwort
  • 20. Mai 2017 bei 10:41
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    Ich habe von dem Film gar nichts mitbekommen aber er klingt wirklich toll. Danke für die Zusammenfassung 🙂
    Liebe Grüße,
    Laura von lauraskreativecke

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